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Häufig gestellte Fragen zu Immunsystem, HIV/AIDS und Therapie
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- Wie funktioniert das Immunsystem?
- Was sind Viren?
- Wie vermehrt sich HIV?
- Wie verläuft eine nicht behandelte HIV-Infektion?
- Welche Rolle spielen die HIV-Antikörper?
- Was bedeuten erniedrigte T4-Helferzellen?
- Was bedeuten erhöhte Viruslast-Werte?
- Welche Rolle spielen psycho-soziale Faktoren?
- Was ist und bewirkt die Kombinationstherapie?
- Warum geben wir uns mit der Kombitherapie nicht zufrieden?
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1. Wie funktioniert das Immunsystem?
Welche Hauptaufgabe hat das Immunsystem? Tag für Tag ist unser Körper tausendfachen Angriffen von Bakterien und Viren ausgesetzt. Im Idealfall wehrt unser Immunsystem alle krankmachenden Eindringlinge ab und vernichtet sie. Die Bedeutung unseres Immunsystems müssen vor allem jene Menschen schmerzhaft erkennen, die wie im Falle von AIDS (= Acquiered Immune Deficiency Syndrom = Erworbener Immundefekt) an einer Immunschwäche leiden. AIDS-Vollbild-Patienten erkranken an einem breiten Spektrum von krankheitserregenden Organismen, die ein gesundes Immunsystem längst unter Kontrolle gebracht und vernichtet hätte.
Wie setzt sich das Immunsystem zusammen? Folgende Organe und Einzelzellen spielen beim Gesamtorganismus Immunsystem eine wichtige Rolle und kämpfen gemeinsam gegen die Krankheitserreger: Die Immunorgane Knochenmark und Thymus, die laufend Zellen der Immunabwehr bilden. Die Zellen der Immunabwehr selbst, die auch weiße Blutköperchen oder Leukozyten genannt werden. Zu ihnen gehören z. B. Makrophagen, sowie T- und B-Zellen. Die Signalstoffe, die von den Immunzellen ausgeschieden werden. Sie werden auch Botenstoffe oder Zytokine genannt. Hierzu gehört z. B. Interleukin 1 und 2 sowie der Tumor-Nekrosis-Faktor Alpha.
Wie werden die Immunzellen unterteilt? Ca. 70-80% aller Immunzellen sind Zellen der natürlichen/unspezifischen Immunabwehr: Diese sind schon von Geburt an vorhanden; sind nicht auf besondere Typen von Eindringlingen spezialisiert; haben nicht die Fähigkeit, verschiedene Krankheitserreger zu unterscheiden; greifen Eindringlinge an, ohne vorher mit ihnen direkt Kontakt zu haben und haben auch kein Gedächtnis. Zu ihnen gehören z. B. die Makrophagen. Ca. 20-30% aller Immunzellen sind Zellen der erworbenen/spezifischen Immunabwehr: Sie differenzieren sich erst im Laufe des Lebens beim Kontakt mit Krankheitserregern; werden durch diesen Kontakt mit einem speziellen Eindringling spezifisch geprägt; bilden Gedächtniszellen, die für ein schnelles und massives Zuschlagen der erworbenen Abwehr bei einem Zweitkontakt sorgen; werden auch Lymphozyten genannt und unterteilen sich in die B-Zellen (ca. 30%) und den T-Zellen T4 und T8 (ca. 70% aller Lymphozyten). Alle Immunzellen werden im Knochenmark gebildet – nur die T-Zellen erfahren im Thymus und im thymusäquivalentem Gewebe eine weitere Prägung und Differenzierung.
Wie sieht die Arbeitsweise des Immunsystems aus? Die Funktionsweise des Immunsystems ist höchst komplex. Hier ist nur eine vereinfachte Darstellung möglich. Gelangt ein Eindringling in die Blutbahn, kommen zuerst die Zellen der natürlichen Immunabwehr zum Zuge. Die Makrophagen, die auch Fresszellen genannrt werden, nehmen zunächst den fremden Eindringling auf. Entweder sind sie bereits in der Lage, den Krankheitserreger sofort zu vernichten oder aber sie rufen die Zellen der spezifischen Immunabwehr zu Hilfe. Dazu zerlegt der Makrophage die Eiweiße des aufgenommenen Krankheitserreger in kleine Bestandteile und präsentiert diese Bestandteile – die auch Antigene genannt werden – auf seiner eigenen Außenhaut, also auf seiner Zellmembran. Auf diese Weise übermittelt er eine Information über den Erreger an die B-Zelle, die im Folgenden spezifische Antikörper gegen den Krankheitserreger produzieren wird. Dann beginnt er einen Signalstoff, das Interleukin 1, auszuscheiden, welches die T-4 Helferzellen der spezifischen Immunabwehr alarmiert.
Welche besondere Rolle haben die T4-Helferzellen bei dem Abwehrkampf des Immunsystems? Wie ihr Name Helferzelle schon andeutet, nehmen sie nicht direkt am Angriff oder an der Vernichtung von Krankheitserregern teil. Vielmehr geben sie die Befehle, die die Aktivitäten anderer Immunzellen in Gang setzen und steuern. Durch ihre Produktion des Signalstoffes Interleukin 2 werden zwei sich in Wechselwirkung befindende Immunreaktionen ausgelöst, die in der Regel solange anhalten, bis sie die erfolgreiche Zerstörung des Krankheitserregers erreicht haben: Die humorale Immunreaktion, bei der die B-Zellen zur Produktion von spezifischen Antikörpern gegen den Eindringling angeregt werden. Die zelluläre Immunreaktion, bei der die T-8 Killerzellen gegen den Eindringling aktiviert werden.
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2. Was sind Viren?
Warum charaketerisieren die Namen „Schmarotzer, Diebe, Räuber ein wesentliches Merkmal von Viren? Da sie über keinen eigenen Stoffwechsel verfügen, müssen sie in Zellen anderer Lebewesen eindringen. Nur mit Hilfe dieser Wirtszellen können sie existieren und sich vermehren. Sonst gehen sie relativ rasch zugrunde. Das Virus baut seine Erbanlagen in die Erbanlagen der Wirtszelle ein. Dadurch werden die Erbeigenschaften und die Funktion der infizierten Zellen im Interesse des Virus umfunktioniert und diese dazu gezwungen, neue Viren zu produzieren. Erst seit wenigen Jahrzehnten ist bekannt, dass viele Erkrankungen durch solch eine Virusinfektion ausgelöst wird wie z. B. bei der Grippe, Gelbsucht oder klassischen Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln oder Windpocken. Mit einem normalen Lichtmikrosop sind Viren nicht sichtbar. Der Durchmesser von HIV (= Human Immunodificiency Virus - “Menschliches Abwehrschwäche-Virus“) beträgt z. B. etwa ein 10.000stel Millimeter. Dies entspricht ungefähr einem Tausendstel der Dicke eines menschlichen Haares.
Wie sind Viren aufgebaut? Jedes Virus besitzt Erbinformationen aus spiralförmig angeordneten Ketten, den sog. Nukleinsäuren. Bei manchen Viren sind diese in einem RNS-Einzelstrang, bei manchen in einem DNS-Doppelstrang gespeichert. RNS steht dabei für Ribonukleinsäure und DNS für Desoxynukleinsäure. (In Deutschland sind mittlerweile auch die englischen Abkürzungen „DNA = desoxyribonucleic acid“ und „RNA = ribonucleic acid“ üblich). Viren, bei denen die Erbinformationen in einem RNS-Einzelstrang enthalten sind, werden Retroviren genannt. Zu diesen gehört HIV. Bei den meisten Viren ist das Erbgut von einer Kapsel (=core) umgeben. Bei HIV wird ein Eiweißbestandteil dieser Kapsel als p24 bezeichnet. Bei einigen Viren wie z. B. bei HIV ist diese Kapsel noch von einer Hülle (= engl. envelope) umgeben. Durch diese Virushülle gleicht die äußere Gestalt von HIV einer winzigen Kugel. Auf dessen Oberfläche befinden sich exakt 72 rundliche Fortsätze. Dabei handelt sich um stachelförmige kleine Eiweißkomplexe, die den Namen gp120 haben. Mit diesen kann sich HIV an wichtige menschliche Immunzellen binden. Kapsel und Hülle setzen sich im wesentlichen aus Eiweißverbindungen (= Proteinen) zusammen und dienen dem Schutz der Erbsubstanz. Die Hülle eines Virus ist darüber hinaus auch dafür verantwortlich, dass die passende und für eine Infektion geeignete Wirtszelle gefunden wird. Gegen diese Hüll- und Kapsel-Virusbestandteile bildet das menschliche Immunsystem spezifische Antikörper, was man sich bislang hauptsächlich bei der Diagnostik der Infektion (HIV-Test) zunutze macht. HIV-positiv zu sein, bedeutet, dass man solche Antikörper gegen ein oder mehrere Virusbestandteile im Blut nachweisen kann. Die Bestandteile des HIV werden je nach ihrer chemischen Zusammensetzung mit p (= Protein) oder gp (= Glykoprotein) und des entsprechenden Molekulargewichts benannt, das dann in Form einer Zahl auftaucht – so z. B. das Kapseleiweiß p24 oder das Hülleiweiß gp120.
Was verstehen wir unter dem „Schlüssel/Schloß-Prinzip“? Ein Virus befällt nie alle Zellen des Körpers, sondern jede Virusart bevorzugt bestimmte Zellen. Für eine Infektion müssen Teile der Zellmembran zu den Bindungsstellen der Virushülle exakt passen – ähnlich wie ein Schlüssel zu einem Türschloß. Jeder Zelltyp hat bestimmte Oberflächenstrukturen, die wie Antennen aus der Zellmembran herausragen und die als Rezeptoren bezeichnet werden. Das Virion (= Virus, das sich außerhalb einer Wirtszelle befindet) heftet sich mit seinen Bindungsstellen daran und wird dann von der Zelle aufgenommen. Dabei zieht die Wirtszelle das Virion in ihr Inneres hinein, wobei die vom Virus mitgebrachten Erbinformationen in Form von DNS oder RNS freigesetzt werden (= „Uncoating“). Anschließend wird die nun frei vorliegende Viruserbinformation in das Erbgut der befallenen Zelle eingeschleust. Dadurch zwingt das Virus der befallenen Zelle die Befehle auf, die für die Virusvermehrung nötig sind.
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3. Wie vermehrt sich HIV?
Der Vermehrungsvorgang des 1983 entdeckten HIV vollzieht sich in fünf Schritten und mit Hilfe von drei Enzymen (= katalytisch wirksame Eiweiße), die Reverse Transkriptase, Integrase und Protease genannt werden:
Schritt 1: Anheften Mit den exakt 72 Knöpfen (= knobs) der Virushülle, die den Namen gp120 haben, kann HIV sich an alle Zellen anheften und diese infizieren, die den sog. CD4-Rezeptor auf ihrer Zellmembran aufweisen (CD = „cluster of differentation“). Wichtige Zellen des menschlichen Immunsystems wie z. B. die Makrophagen (= Fresszellen) und T4-Helferellen tragen tragischerweise dieses CD-Strukturmerkmal.
Schritt 2: Eindringen und Freisetzung der HIV-Erbinformationen HIV wird in die Zelle aufgenommen. Dabei werden die Erbanlagen von HIV im Zellplasma der Wirtszelle freigesetzt.
Schritt 3: Umwandlung von HIV-RNS-Einzelstrang in HIV-DNS-Doppelstrang Im Unterschied zu den Erbinformationen menschlicher Zellen, welches auf unzähligen Doppelspiralen aus Desoxyribonukleinsäure (= DNS) gespeichert ist, liegt es bei HIV in Form eines Einzelstranges aus Ribonukleinsäure (= RNS) vor. Die freiliegenden Erbanlagen des HIV – der RNS-Einzelstrang – werden mit Hilfe eines von HIV mitgebrachten Enzyms, genannt Reverse Transkriptase, zu einem DNS-Gen-Doppelstrang verdoppelt, so dass sie in den Kern unserer Zellen eingeschleust werden können.
Schritt 4: Einbau von HIV-DNS-Doppelstrang in das menschliche Erbgut Im Kern unserer Zellen, wo das menschliche Erbgut in Form der DNS gespeichert ist, wird mit Hilfe des von HIV mitgebrachten Enzyms Integrase das HIV-DNS eingebaut, so dass diese HIV-infizierten Zellen beginnen, Einzelteile neuer HI-Viren in sehr großer Zahl herzustellen. Damit ist die menschliche Zelle zur Virusfabrik umgewandelt worden.
Schritt 5: Zusammenbau der HIV-Einzelteile zu neuen HIV Zum korrekten Zusammenbau der neu hergestellten HIV-Einzelteile wird ein weiteres viruseigenes Enzym, die Protease, benötigt. Das neu zusammengesetzte HIV wird anschließend aus der Zelle herausgeschleust.
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4. Wie sieht der Verlauf einer nicht behandelten HIV-Infektion aus?
Die HIV-Infektion verläuft von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Es lässt sich niemals voraussagen, wie lange jemand noch zu leben hat. Dies gilt insbesondere für das Vollbild-AIDS. Die Behandlung der HIV-Infektion mit der Kombinationstherapie hat gezeigt, dass der Wiederaufstieg aus den bedrohlichsten Immunschwäche-Tiefen möglich ist. Wann der „point of no return“ erreicht ist, d. h. wann HIV das Immunsystem irreversibel zerstört hat, so dass ein tödlicher Ausgang der Krankheit nicht mehr verhindert werden kann, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Achtung: Aufgrund eines tragisches Ereignisses des Todes eines unserer Vereinsmitglieder im August 2001 wollen wir hier deutlich darauf hinweisen, dass nicht nur der Krankheitsverlauf, sondern auch die ersten Krankheitszeichen bei HIV sehr unterschiedlich sind. Die Vorstellung, man könne eine HIV-Infektion rechtzeitig an Symptomen (z. B. Lymphknotenschwellungen oder Pilze, die überhaupt nicht auftreten müssen) rechtzeitig bemerken, kann auch heute noch tödliche Folgen haben. Das Vorstadium von AIDS ( = ARC – AIDS related complex) mit Symptomen wie z. B. Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust, lang anhaltende Durchfälle oder allgemeines Schwächegefühl ist dem AIDS-Vollbild-Stadium keinesfalls immer ein halbes Jahr vorgelagert.
Die ersten Wochen – Primärinfektion bzw. „akute Phase“ Bereits kurz nach der Ansteckung mit HIV beginnt das Virus, sich sehr stark zu vermehren. Die HI-Viren vermehren sich solange ungehemmt und dramatisch bis das Immunsystem beginnt, spezifische HIV-Antikörper und T8-Killerzellen zu produzieren. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Viruslast im Blut extrem hoch. Es wird auch eine Senkung der T4-Helferzellen beobachtet. Viele Patienten entwickeln wenige Tage bis Wochen im Anschluss an die Übertragung von HIV eine "akute HIV-Krankheit", die meist mit vorübergehenden Lymphknotenschwellungen oder grippeähnlichen Symptomen einhergeht und die meist nur Wochen bis wenige Monate anhalten. Etwa die Hälfte der Patienten bemerkt jedoch davon überhaupt nichts.
Symptomfreie bzw. asymptomatische Latenzphase Nach einiger Zeit kommt es bei allen Infizierten zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems. Dabei werden die bereits erwähnten spezifischen HIV-Antikörper gebildet. Diese können in der Regel bereits nach zwölf Wochen zuverlässig nachgewiesen werden. Der HIV-Test wird dann „positiv“. Nun wird auch eine erhebliche Senkung der Viruslast und ein Wiederanstieg der T4-Zellzahl beobachtet. Beide Werte stabilisieren sich auf ein für jeden Patienten individuelles Niveau, welches „set point“ genannt wird. Dieses erreichte Niveau entspricht einem relativen Gleichgewicht, bei dem es dem Immunsystem gelingt, HIV zumindest einigermaßen zu bekämpfen und unter Kontrolle zu halten. Es kann 10 Jahre und länger erhalten bleiben. Immunologisch ist dieser Zustand durch eine hohe Konzentration von spezifischen Antikörpern gegen die Viruskapsel im Blut und durch eine hohe Konzentraiton von T8-Killerzellen gekennzeichnet. Die Zeitspanne zwischen der Ansteckung mit HIV und dem Auftreten erster Symptome wird Latenzzeit genannt. Zwar verspürt der Patient in dieser Phase keine belastende Krankheitssymptome - in Blut, Lymphknoten und anderen Organen passiert dagegen eine Menge: Jeden Tag werden in dieser Phase Viren und Helferzellen in der Größenordnung von mehreren Milliarden vernichtet! Das in dieser Latenzphase relativ konstante Niveau von Viruslast und Helferzellen spiegelt das relative Gleichgewicht zwischen HIV-Vermehrung und seiner Vernichtung durch das Immunsystems wider. Symptomatisch tritt bei einigen Positiven in dieser Zeit das von mit HIV infizierten T4-Zellen verursachte sogenannte "Lymphadenopathiesyndrom" (LAS) in Erscheinung, das durch das Vorhandensein von mindestens zwei vergrößerten Lymphknoten außerhalb der Leistenregion charakterisiert ist.
Die symptomatische Phase: ARC und AIDS-Vollbild Mit zunehmender Dauer, sinkender Helferzellen und allmählichem Abfall der p24-HIV-Kapsel-Antikörper nimmt die Zahl der Viren zu. Es werden immer mehr T4-Helferzellen und Makrophagen infiziert und schließlich kommt es zum AIDS-related complex (ARC), der Symptome wie Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust, lang anhaltende Durchfälle oder allgemeines Schwächegefühl beinhaltet. Der ARC wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Zunahme infizierter Makrophagen verursacht, die nach erfolgter HIV-Infektion ihren Ausstoß von Tumor-Nekrosis-Faktor alpha um ein Vielfaches steigern und das um sie herum liegende Gewebe entzünden und zerstören. Im Zuge einer steigenden Viruslast und sinkender Helferzellen kommt es in sehr unterschiedlichen Zeitspannen und nicht immer eindeutig abgrenzbar vom ARC-Stadium schließlich zum AIDS-Vollbild. Der für dieses Stadium der HIV-Erkrankung charaketeristische Zusammbruch des Immunsystems resultiert aller Wahrscheinlichkeit daraus, dass die infizierten Makrophagen das der Reifung von T-Zellen dienende Thymusgewebe zerstören. Bei den meisten AIDS-Vollbild-Erkrankungen haben die Helferzellen fast immer einen Wert von deutlich weniger als 200 Mikroliter im Blut erreicht. Zu diesen Erkrankungen gehört die Pneumocytis carinii Pneumonie (PcP), eine Form der Lungenentzündung, oder infektiöse Erkrankungen anderer Organe, z. B. der Speiseröhre mit dem Hefepilz Candida albicans. Auch Viren wie Herpes simplex oder Herpes zoster können zu schweren Erkrankungen führen. Die häufigsten Tumorerkrankungen im Zusammenhang mit dem AIDS-Vollbild sind durch Viren bedingte Krebsarten, z.B. das Kaposi-Sarkom oder der Gebärmutterhalskrebs sowie Lymphome (bösartige Tumoren des Immunsystems). HIV selbst kann nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Weil es aber durch infizierte Gewebsmakrophagen eingeschleppt werden kann, werden auch die Zellen des Zentralnervensystems geschädigt. Im Verlauf der HIV-Infektion können daher auch Nervenentzündungen bis zur Enzephalitis und Hirnleistungsstörungen auftreten, die meist langsam und unauffällig beginnen.
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5. Welche Rolle spielen die HIV-Antikörper?
Hohe Bedeutung spezifischer HIV-Antikörper Direkt nach einer HIV-Infektion steigt die Zahl der Viren im Blut oft auf sehr hohe Werte an. Manchmal lassen sich Millionen von Viren in einem Milliliter Blut nachweisen. Erst wenn das Immunsystem auf HIV reagiert, sinkt die Zahl der Viren im Blut wieder ab. Es ist für die Entwicklung der HIV-Therapie sehr wichtig, die Mechanismen dieser Abwehrschlacht des körpereigenen Immunsystems genau zu erforschen und zu verstehen. Dass spezifische Antikörper bei diesem Abwehrkampf gegen HIV von hoher Bedeutung sind, darauf haben bereits mehrere Wissenschaftler wie z. B. der US-AIDS-Experte Dr. David Ho hingewiesen. Er konnte nachweisen, dass Personen, die über 12 Jahre infiziert sind, aber keinerlei Krankheitssymptome haben, eine starke Antikörperaktivität gegen das HI-Virus aufweisen.
Negative Rolle des Hüll-Antikörpers „anti-gp 120“ Wissenschaftlich unumstritten ist es, dass bei einer HIV-Infektion mit zunehmender Krankheitsdauer dem Ansteigen der Viruslast die Abnahme des Antikörpergehalts im Blut vorausgeht. Hier muss allerdings zwischen Antikörpern gegen die Hüll- und gegen die Kapseleiweißbestandteile von HIV sorgfältig differenziert werden. Nur die Produktion der Antikörper gegen die Kapseleiweiße nimmt bei zunehmender Krankheitsdauer ab. Mehrere Studien wie z. B. die der AIDS-Forscher Lefrére et al. 1988 sowie Weber et al. 1990 belegen, dass eine hohe Konzentration der Hüllantikörper gp 120 sogar mit einem raschen Fortschritt der Erkrankung zum AIDS-Vollbild korreliert. HIV-Antikörper spielen also nicht per se im Kampf gegen HIV eine positive Rolle.
Positive Rolle des Kapselantikörpers „anti-p24“ Der spezifische Antikörper namens „anti-p24“ richtet sich gegen das p24-Eiweißmolekül der HI-Viruskapsel (= Core). Er kann das Virus selbst nicht angreifen, da die Kapsel durch die Virushülle geschützt ist. Glücklicherweise kann sich dieser Antikörper gegen die HIV-infizierten Zellen richten, weil die Oberfläche von deren Zellmembran mit HIV-p24-Eiweißmolekülen durchsetzt ist. Dadurch kann der Antikörper anti-p24 die HIV-infizierten Zellen erkennen. Er bindet sich an deren in die Zellmembran eingebaute HIV-p24-Moleküle und vernichtet die infizierte Zelle mit Hilfe eines für die HIV-infizierte Zelle tödlichen Eiweißes, durch die sog. “Komplement-Reaktion”. Sobald und solange der Kapsel-Antikörper anti-p24 im Blut eines HIV-positiven Menschen in höheren Konzentrationen nachweisbar ist, ist der infizierte Organismus in der Lage, die Anzahl der HI-Viren kleinzuhalten und es kommt zu keinen lebensbedrohenden AIDS-Symptomen. Fällt der p24-Antikörperspiegel jedoch ab, nehmen die Viren ungebremst zu und die Krankheit schreitet zum ARC (Vorstadium vom Vollbild-AIDS) und letztlich zum AIDS-Vollbild fort. Bei Menschen im AIDS-Vollbildstadium sind häufig kaum noch p24-Antikörper nachweisbar. Wer ein genaueres Interesse an noch zu erforschende Fragen im Zusammenhang mit den Antikörpern hat, der klickt hier.
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6. Was bedeuten erniedrigte T4-Helferzellen?
Im Verlauf der unbehandelten HIV-Infektion kommt es längerfristig zu einem Absinken der Zahl der T4-Helferzellen. Die Normalwerte können zwischen 600 und 1200 Zellen pro Mikroliter Blut schwanken. Das ist abhängig von
- der Zahl der insgesamt im Blut vorhandenen weißen Blutkörperchen
- Streß und körperlicher Anstrengung
- der Tageszeit
- Rauchen
- Labor und Meßverfahren.
Im allgemeinen wird eine vierteljährliche Bestimmung der Helferzellen empfohlen. Siinkt die Zahl der Helferzellen dauerhaft
- unter 350 kommt es bei Menschen mit HIV vermehrt zu Allgemeinsymptomen wie Nachtschweiß und Fieber sowie zu Herpeserkrankungen und Hefepilzerkrankungen der Mundhöhle und der Scheide
- unter 200 kommt es bei Menschen mit HIV vermehrt zu einer Lungenentzündung mit dem Krankheitserreger Pneumocystis carinii. Diese Krankheit kann durch die Gabe von Medikamenten wirksam vorgebeugt werden
- unter 100 kommt es bei Menschen mit HIV vermehrt zu schweren Pilzinfektionen und zu Entzündungen des Gehirns durch den Erreger Toxoplasma gondii. Auch gegen diese Erkrankungen kann man mit Medikamenten wirksam vorbeugen
- unter 50 ist das Immunsystem kaum noch handlungsfähig.
Bei vielen Menschen mit HIV kommt es dann zu komplizierten Krankheiten. Häufig kann ein Überleben nur noch durch ein Vielzahl von Medikamenten zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheitserregern gesichert werden
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7. Was bedeuten erhöhte Viruslast-Werte?
Die Viruslastbestimmung (Viruslast = englisch: virus load) misst die Anzahl der Viren, die sich in einem Milliliter Blut befinden. Viren, die sich in den Lymphknoten, den Hoden oder im Gehirn vermehren, sind allerdings nicht im Blut nachweisbar. Das bedeutet, das selbst wenn im Blut keine Viren nachzuweisen sind, in der Regel bei einer HIV-Infektion in der Samen- und Scheideflüssigkeit dennoch Viren vorhanden sind. Auch hier gilt es zu berücksichtigen, dass die Werte für die Viruslast sehr stark schwanken. Das liegt zum einen an der Fehlerbreite der zur Viruslastbestimmung zur Verfügung stehenden Tests. Es gibt aber auch „natürliche“ Schwankungen, wenn z. B. neben der HIV-Infektion noch ein anderer Krankheitserreger auf das Immunsystem einwirkt. Oft sinkt dann die Viruslast wieder von allein, wenn dieser andere Infekt vorbei ist. Die Menge an Viren, die im Blut nachgewiesen wird, steht in einem Zusammenhang mit dem Risiko an dem AIDS-Vollbild zu erkranken. Wenn dauerhaft mehr als 10.-20.000 Viren pro Milliliter Blut nachgewiesen werden, besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Immunsystem im Kampf gegen HIV zu schwach wird. In der Medizin wird ständig darüber diskutiert, wie die Ergebnisse der Viruslast-Messung zu bewerten sind. Im Allgemeinen werden Ergebnisse unter 10.000 Viren pro Milliliter Blut als niedrig, über 100.000 als hoch bewertet. Wie immer die Werte auch ausfallen: Die Viruslast kann nur im Zusammenhang mit der T4-Helferzahl, mit anderen Blutwerten und insbesondere mit dem gesundheitlichen Zustand des HIV-infizierten Menschen insgesamt sinnvoll bewertet werden.
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8. Welche Rolle spielen psycho-soziale Faktoren?
Negativer Streß schwächt – Zufriedenheit und Zuversicht stärkt das Immunsystem In sehr vielen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass der Verlust des Lebenspartners, Prüfungsangst, Verlassensein, Streß, seelische Mangelerlebnisse, Depression, Hoffnungslosigkeit und Resignation das Immunsystem belasten und schwächen und so mitursächlich verantwortlich für mannigfaltige Erkrankungen sind. Ebenso konnte belegt werden, dass angenehme seelische Zustände wie z. B. Entspannung, Lebenslust und –wille, Zuneigung und Zuversicht sowie ein als befriedigend empfundenes Arbeits-, Liebes- und Sexualleben sich anregend und unterstützend auf die Tätigkeit des Immunsystem auswirken.
„Bekämpft AIDS – nicht Menschen mit AIDS“ Mit diesen Ergebnissen der Psychoneuoimmunologie („Psycho“ = Verhalten, „Neuro“ = Nervensystem und „Immunologie“ = Immunsystem) können wir begründet behaupten, dass gesellschaftliche Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von Menschen mit HIV und AIDS sowie die immer noch fehlenden sozialen und rechtlichen Gleichstellung von Minderheiten (wie z. B. von schwulen und bisexuellen Männern) nicht „nur“ unnötig zusätzliches, seelisches Leiden verursachen, sondern den Krankheitsverlauf bei einer HIV-Infektion gesundheitsschädigend beeinflussen. Die Studien bestätigen letztlich, dass politische Emanzipations- und Antidiskrimminierungsarbeit gesundheitsfördernd ist. Unser Förderverein anerkennt die hohe Bedeutung von psycho-sozialen Faktoren für die Bewältigung der HIV-Infektion unterstützt daher nach dem Motto „Bekämpft AIDS – nicht Menschen mit AIDS“ Initiativen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.
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9. Was ist und bewirkt die Kombinationstherapie?
In der bisherigen HIV-Kombinationstherapie werden mit verschiedenen Substanzen die HIV-Enzyme Reverse Transkriptase und Protease blockiert, die HIV für seine Vermehrung benötigt. Diese Substanzen werden daher Reverse Transkriptase- oder Proteasehemmer genannt. Da Inhibitor Hemmstoff heißt, werden sie auch als Reverse Transkriptase- oder Proteaseinhibitoren bezeichnet. Der bekannteste und älteste Reverse Transkriptase-Hemmer ist AZT der Firma GlaxoWellcome. Lange Zeit war es das einzige auf dem Markt angebotene Medikament. Eine Therapie, bei der nur ein einziges Mittel oder Verfahren angewandt wird, nennt man Monotherapie. Im Unterschied hierzu werden bei der Kombinationstherapie verschiedene Substanzen zur Steigerung der erwünschten Wirkung miteinander verknüpft. Diese Therapieform wirkt wesentlich besser und länger als eine Behandlung mit nur einem oder zweien Medikamenten. Die Kombinationstherapie wird auch HAART oder ART genannt. HAART steht dabei für „Highly active antiretroviral therapy“ – hochwirksame antiretrovirale Therapie, und ART steht für antiretrovirale Therapie.
In welche drei Gruppen werden die HIV-Medikamente der Kombinationstherapie eingeteilt? Im wesentlichen kann man die zur Zeit verfügbaren HIV-Medikamente in drei große Gruppen einteilen:
- Die nukleosidale Reversen Transkriptase Inhibitoren (= NRTI) in Form von leicht veränderten Bausteinen der Erbsubstanz, die auch Reverse-Transkriptase-Hemmer genannt werden. Sie hemmen den für die HI-Vermehrung nötigen Umschreibevorgang der Viruserbinformation von RNA in DNA. Die „falschen“ Bausteine werden in die DNA-Kette eingefügt. Daraufhin kann die DNA-Kette nicht mehr verlängert werden. Durch diesen Kettenabbruch wird dann das Enzym Reverse Transkriptase gehemmt.
- Die Nicht-Nukleosidalen-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (= NNRTI) wurden künstlich am Computerbildschirm von Chemikern kreiert. NNRTI sind im Gegensatz zu den Nukleosidanaloga (NRTI) keine „falschen“ Bausteine, sondern „klemmen“ sich quasi in der Reverse Transkriptase fest und hemmen so die Funktion dieses Enzyms.
- Hemmer der HIV-Protease (= PI oder Protease-Inhibitoren) hemmen das HIV-Enzym Protease, das für den Zusammenbau neu hergestellter HIV-Einzelteile in den HIV-infizierten und HIV-produzierenden Zellen benötigt wird.
Welche Erfolge konnten mit der Kombinationstherapie erzielt werden? Bis 1996 hatten es die Ärzte in Deutschland nur mit ständig abfallenden T4-Helferzellen und mit einer großer Zahl sterbender, junger AIDS-Patienten zu tun. Als 1996 neue Medikamente verfügbar waren, ging die Zahl der Todesfälle an AIDS deutlich zurück – 1996 in der Bundesrepublik schon um ein Drittel. Bei der Mehrheit der Menschen mit HIV, die noch keine HIV-bedingten Symptome haben, ist eine der wichtigsten Wirkungen der Kombinationstherapie, dass sie die Krankheit am Fortschreiten hindert. Sind bereits HIV-bedingte Symptome aufgetreten, verbessern sich diese unter der Therapie wesentlich oder verschwinden vollständig bei den meisten Infizierten. Hinzu kommt, dass das Risiko, weitere HIV-bedingte Symptome und Erkrankungen zu bekommen, bei den meisten Positiven drastisch sinkt. In den ersten 14 Tagen nach Beginn einer Kombinationstherapie fällt die Viruslast in aller Regel sehr stark, und zwar um mehrere zehntausend Viren pro Milliliter Blut. Im Durchschnitt dauert es allerdings drei bis sechs Monate, bis die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt. Wichtig ist, dass die Viruslast regelmäßig kontrolliert wird, im ersten Vierteljahr am besten einmal pro Monat. Schlägt die Therapie an, kann der Abstand auf zwei bis drei Monate verlängert werden. In den ersten Monaten nach Beginn einer Kombinationstherapie steigt die Zahl der Helferzellen in der Regel stark an, danach weitaus langsamer. Das heißt, dass die Helferzellenwerte dann auf einem relativ hohen Niveau stabil bleiben. Fallen sie während der Therapie jedoch dauerhaft wieder ab, kann das darauf hinweisen, dass die Wirkung der Therapie nachlässt und sich eine Therapieumstellung empfiehlt. Welches der günstigste Zeitpunkt für den Therapiebeginn und welches die günstigste Medikamentenkombination ist, wie sinnvoll oder gefährlich Therapiepausen in welchen Länge und unter welchen Voraussetzungen sind – darüber gibt es zur Zeit keine gesicherten Erkenntnisse. Auf jeden Fall sollte jedoch mit der Therapie begonnen werden, bevor das Immunsystem stark geschädigt ist, das heißt, sobald die Zahl der T4-Helferzellen unter 350 Zellen pro Mikroliter Blut gerät.
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10. Warum geben wir uns mit der Kombinationstherapie nicht zufrieden?
Mit der Reduzierung auf die Kombitherapie ist die AIDS-Krise nicht zu stoppen Viele Medien haben den Eindruck erweckt, als ob wir heute die Krankheit AIDS durch die Kombinationstherapie weitgehend im Griff hätten. Die neuesten Tatsachen sprechen leider eine andere Sprache. Die jahrelange Einnahme dieser Pillencocktails nach einem komplizierten Einnahmemodus bleibt bislang weitgehend auf den Einsatz in den wohlhabenderen Industrieländern beschränkt. Die Masse der infizierten Menschen in den armen Ländern – und das sind 95% der mit HIV-infizierten Menschen der Erde - wird bislang von den Erfolgen der Therapie ausgegrenzt.
Keine Heilung ist mit der Beschränkung auf die Kombinationstherapie möglich! Die Kombinationstherapie hemmt „lediglich“ die Produktion neuer HI-Viren. Die eigentliche Quelle der Erkrankung – die das HIV produzierenden Zellen – wird von ihr gar nicht angegriffen. Eine Heilung ist durch sie daher niemals möglich. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir uns für die Entwicklung einer HIV-Therapie einsetzen, welche Therapieverfahren zur Zerstörung der virusproduzierenden Zellen erfolgreich realisiert.
Resistenzen Auch wenn der Erreger durch die Kombipräparate unter die Nachweisbarkeitsgrenze gedrückt wird, überlebt er und lernt allmählich, sich trotz der Medikamente zu vermehren. Er zeigt die gefürchteten Resistenzerscheinungen, die eine Therapieumstellung nötig machen. Die Resistenzproblematik hat sich bei der HIV-Therapie bisher erfreulicherweise als geringer herausgestellt als dies noch vor wenigen Jahren befürchtet wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Resistenzentwicklung gegenüber antiretroviralen Substanzen durch neue Kombinationen und neue Substanzen sowie durch mehr Erfahrungen im Umgang mit diesen weiter reduziert werden kann, ist erfreulicherweise höher geworden..
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen Die Kombinationstherapie geht leider mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen einher. Es gibt solche Wirkungen, die in den ersten Wochen der Einnahme eines neuen Medikaments auftauchen und danach wieder vergehen und andere, die bestehen bleiben. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Hautjucken. Einige der HIV-Medikamente können die Nieren schädigen. Wird dies nicht rechtzeitig bemerkt, kann ein lebensbedrohendes Nierenversagen die Folge sein. Auch Leberprobleme werden häufig durch Medikamente – nicht nur HIV-Medikamente – ausgelöst. Nukleosidale Reverse Transkriptase Hemmer (NRTs, zu denen Medikamente wie Combivir, Epivir, Hivid, Retrovir, Videx, Zerit und Zagen gehören) können in seltenen Fällen schwerwiegende, bisweilen lebensbedrohende Leberschädigung verursachen. Unter der Kombinationstherapie kann es zur Zunahme des Fettgebewebes am Körperstamm und zur Abnahme des Fettgebes an Armen, Beinen und Kopf kommen. Die genauen Ursachen hierfür sind noch unklar. In manchen Fällen kann diese Fettverteilungsstörung durch eine Therapieumstellung rückgängig gemacht werden. Blutfettwerte und Blutzucker können durch die Kombinationstherapie ansteigen. Ersteres führt zu einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, letzteres zu einem erhöhten Risiko für Diabetes melitus (Zuckerkrankheit). . Diese unerwünschten Wirkungen haben dazu geführt, dass etablierte Wissenschaftler von einem frühen Einsatz der Kombipräparate („hit hard and early“) Abstand genommen haben. Heute diskutieren deshalb verschiedene Wissenschaftler verstärkt über Therapiestrategien, die kontrollierte Therapiepausen beinhalten. Dies wird zur Zeit in mehreren Studien überprüft. Zwischen der schädlichen Wirkung von HIV und den unerwünschten Wirkungen der antiretroviralen Medikamente muss heute bei der HIV-Therapie sehr genau abgewägt werden.
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